Biing!

1. Erscheinungsjahr

    1995

2. Hersteller

    reLine Software

3. Sprache / System

    deutsch / Amiga, PC

4. Genre

    Wirtschaftssimulation

5. Allgemeines

So wie heute der Markt von Ego-Shootern überflutet wird, so waren es Mitte der Neunziger Jahre die Wirtschaftssimulationen, die meist von deutschen Entwicklern massenweise veröffentlicht wurden. Obwohl sich durchaus unterschiedliche Teams daran versucht haben, sehen alle Produkte dieser Art irgendwie gleich aus, die Screens sind konsequent im Comicstil gehalten und der Spieler darf sich die Mühe machen diese mit dem Mauszeiger auf Funktion zu prüfen. Hin und wieder taucht dann tatsächlich eine Animation auf, was auch schon den graphischen Höhepunkt darstellt. Kaum ein Wirtschaftszweig blieb die Digitalisierung erspart, vom Speditionsunternehmen über Fußballclubs und Schiffseigner bis hin zum Computermagazin war alles dabei. Obwohl all diese Spiele kaum innovative Elemente und sich stets wiederholende Vorgänge hatten verkauften sie sich in Deutschland erstaunlich gut.

6. Das Spiel

Eine nicht ganz ernst gemeinte Krankenhaussimulation soll es sein, dieses Biing. Was reLine unter „nicht ganz ernst gemeint“ versteht, wird schnell deutlich! Dümmliche Krankenschwester, saufende Hausmeister und fortpflanzungswütige Ärzte sind ihre Belegschaft und Holzhammer und Folterstuhl ihre Arbeitsmittel. Sie sind der Chef vom Ganzen und müssen eine florierende Klinik aufbauen. Dafür mieten sie anfangs bestimmte Räume wie Wartezimmer, Aufnahme und Behandlungsraum, später kommen dann OP-Saal, Krankenzimmer und Pathologie dazu. Was reLine wohl als Stärke von Biing verstanden wissen wollte, wird für den ernsthaften Spieler schnell nervig, der Humor. Wollen sie zum Beispiel ihr Wartezimmer verschönern stehen ihnen Gegenstände wie Pin-Up Kalender mit einer mäßigen Wirkung auf den Patienten und Hochglanzposter mit geringer Wirkung auf den Patienten zur Verfügung. Effektiv machen beide keinen Unterschied. Man muss schon mitten in der Pubertät stecken oder dort stecken geblieben sein um an den ganzen albernen Anspielungen und sexistischen Darstellungen gefallen zu finden. Da kann reLine noch so oft auf den satirischen Charakter des Spieles verweisen, Satire ist was Anderes! Irgendwie steckt hinter all diesen „lustigen“ Sachen trotzdem ein funktionierendes Wirtschaftssystem, auch wenn dem Spieler nicht alle Zusammenhänge deutlich und wichtige Faktoren wie zum Beispiel die Frequenz der Patientenbesuche scheinbar von einem Zufallsgenerator gesteuert werden. Hat man einen Tag an dem so gut wie keine Kunden kommen, ist die Pleite unausweichlich, lädt man jetzt diesen Tag erneut, kann es passieren das sie sich vor Patienten kaum retten können, ohne irgendwelche Veränderungen am Hospital vorgenommen zu haben. Das ist enorm unlogisch und wirkt sich negativ auf den Motivationsfaktor aus, dieser wäre ohne solche Pannen eigentlich recht hoch, da immer neue Räume und damit bessere Verdienstmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da aber der Erfolg wie schon gesagt sehr zufallsabhängig ist, ist auch der Schwierigkeitsgrad enorm hoch. Viele Spieler werden wahrscheinlich schon Probleme haben den ersten Tag zu überstehen. Hätten die Entwickler versucht das Wirtschaftssystem besser auszubalancieren anstatt zwanghaft lustig sein zu wollen und auch noch den dümmsten Witz in das Spiel zu kloppen, Biing wäre ein wesentlich angenehmerer Vertreter seiner Zunft geworden. Es überrascht auch nicht, das weder Grafik noch Sound besonders originell sind. Für Leute die ohnehin einen abgedrehten Humor haben mag es Spielens Wert sein, ansonsten gibt es Dutzende andere Spiele die gleich aufgebaut sind und genau so viel (wenig) Spielspaß bieten.

Fazit: Naja, wem es gefällt, man verpasst jedenfalls nichts!
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