Formula One Grand Prix

  1. Erscheinungsjahr

1991

 

  1. Hersteller

Microprose

 

  1. Sprache / System

englisch / Amiga, Atari ST, PC

 

  1. Genre

Rennspiel

 

  1. Kurzinfo

Die Königsklasse des Rennsports ist bekanntermaßen der Formel 1 Zirkus, nicht zu Letzt deshalb versuchten sich viele Entwickler daran, dieses Spektakel auf die Rechner der motorsportbegeisterten Computerspieler zu bringen. Leider konnte keines dieser Spiele den Anspruch einer Rennsimulation erfüllen und mussten sich stets als Arcade-Racer „beschimpfen“ lassen, der Mangel an Realismus, das fehlen jeglicher Einstellungsoptionen oder einfach das nicht vorhandene Geschwindigkeitsgefühl vermochte einfache keine richtige Formel 1 Atmosphäre zu vermitteln. Dies änderte sich, als sich die Simulationsexperten von Microprose unter der Führung von Geoff Crammond daran machten eine komplexe Umsetzung des F-1 Stoffs zu programmieren. Das da nicht irgendein Spiel entstehen wird, war angesichts der hochkarätigen Flugsims alá Gunship oder des genialen WiSim-Abenteuer Pirates! von Anfang an klar. Die bisherige Rennspielerfahrung von Geoff Crammond konnte sich ebenfalls sehen lassen, das 1985 veröffentlichte Revs zählt ebenso zu den Meilensteinen des Genres, wie das vier Jahre später erschienene Stunt Car Racer.

Formula One Grand Prix wurde dann auch der erwartete Hit, genau wie jeder seiner Nachfolger, wobei Crammond nicht, wie es bei anderen Entwicklern üblich ist, ein jährliches Update mit minimalen Anpassungen veröffentlichte, sondern stets einige Jahre ins Land gingen lies um die Entwicklung des Spieles in allen Bereichen voran zu bringen!

Wie so oft an dieser Stelle muss ich auch hier erwähnen das Microprose nicht mehr existiert. 1998 wurde Microprose von Hasbro Int. gekauft, dieses wiederum 2001 von Atari (damals noch Infogrames). Und da es mittlerweile in der Branche üblich ist legendäre Entwicklerstudios möglichst rasch in der Versenkung verschwinden (siehe u.a. Bullfrog und Westwood) zu lassen, wurden die Überreste von Microprose 2004 endgültig geschlossen.

 

  1. Spielbeschreibung

Was darf´s denn sein? Schnell ein Rennen zwischendurch oder erst mal mit dem Hauptmenü vertraut machen? Mit dieser Auswahl begrüßt sie Formula One Grand Prix nach dem recht eindrucksvoll gerenderten Intro-Film. Wir wollen uns mit dem Spiel vertraut machen und wählen das Hauptmenü und nun der erste Schockmoment, wo andere Spiele mit drei Optionen aufwarten, kommt FOGP mit einer ganzen Latte an Menüs und Untermenüs daher. Schon die Wahl des Fahrers und Teams erweist sich als schwierig, sie können aus 18 Teams und 34 Fahrern wählen, sollten ihnen die Namen nicht zusagen, können sie kurzerhand die Edit-Funktion bemühen und ihre Lieblingsfahrer/Teams eintragen. Die hohe Anzahl an Fahrern ergibt sich durch das damalige Regelwerk, welches ein Starterfeld von 25 Piloten vorsah, d.h. im Qualifying treten 34 Fahrer an und die besten 25 dürfen am Sonntag fahren. Haben sie sich ein alter Ego ausgesucht, sollten sie sich mit dem Fahrverhalten ihres Dienstwagens vertraut machen. Es ist natürlich etwas ungeschickt dies ausgerechnet während eines Meisterschaftslauf zu machen, deshalb gibt es die Möglichkeit auf jeden der 16 Strecken ungestört ein paar Runden zu drehen. Und das ist je nach gewählten Schwierigkeitsgrad (insgesamt gibt es 5) und zugeschalteten Fahrhilfen auch empfehlenswert. Haben sie genug geübt, können sie sich an das erste Rennwochenende machen, das läuft im selben Modus ab, wie es auch heute noch der Fall ist. Freies Training am Freitag, Qualifying  am Samstag und Aufwärmtraining sowie das Rennen am Sonntag. Wichtig ist dabei eigentlich nur das Qualifying (ja, das Rennen auch), da es hier um die Startaufstellung geht. Als Spieler haben sie den großen Vorteil, sich nicht Qualifizieren zu müssen, d.h. selbst wenn sie währende der gesamten Session in der Box bleiben oder gar nicht erst antreten, sie sind auf jeden Fall am Start, wenn auch in solchen Fällen nur als Letzter. Ansonsten stehen ihnen exakt 12 Runden zur Verfügung, in denen sie um die Pole Position fahren. Einstellungen am Auto können sie jederzeit in der Boxengasse vornehmen. Zum Glück müssen sie keine abgeschlossene Kfz-Ausbildung genossen haben, um ein halbwegs brauchbares Setup zu basteln, neben der Einstellung für die Front- und Heckflügel, der Bremskraftverteilung und der obligatorischen Reifenwahl (sehr weich bis hart) bleibt ihnen lediglich noch das Feintuning für die Getriebeeinstellung. Auch wenn das nicht gerade das Mechaniker Herz höherschlagen lässt, so ist es dennoch sinnvoll zu experimentieren und für jede Rennstrecke ein eigenes Setting zu finden! Gedanken über die Benzinmenge brauchen sie sich übrigens nicht zu machen, damals war es einfach nicht üblich fürs Nachtanken an die Box zu fahren. Kommen wir zur eigentlichen Stärke von FOGP, das Rennen! Hier geht´s nämlich richtig zur Sache, das gilt für das Fahrverhalten der Gegner ebenso, wie für die grafische Darstellung und die Soundkulisse. Die flotte 3D-Grafik saust nur so an einem vorbei und erzeugt ein herrliches Gefühl für die Geschwindigkeit, dabei ist der Detailgrad selbstverständlich nicht sonderlich hoch, Zuschauertribünen bestehen aus einem bunten Pixelbrei, Werbebanden und Schilder aus großflächigen und zweifarbigen Rechtecke und auch Streckenrandobjekte sind sehr selten, dafür ist der Asphalt schön texturiert! Trotzdem ist das Gesamtbild sehr schick anzusehen, das gilt auch für die Polygonen-Fahrzeuge der Gegner. Die sich auch durchaus wie solche verhalten und nicht stupide auf der Ideallinie rumgurken. Ein wenig wird der Spielspaß aber durch das großzügige Schadensmodel des eigenen Wagens getrübt, während sie Kontrahenten schon durch einen sanften Stupser ins Heck aus dem Rennen befördern können, scheint ihr Fahrzeug nahezu unzerstörbar, selbst wenn sie ständig andere Autos als Bremshilfe benutzen.

Wie bei den meisten Rennspielen muss man auch bei FOGP von der Verwendung der Tastatur als Eingabegerät abraten, es lassen sich einfach keine vernünftigen Ergebnisse erzielen. Ob es sich bei der Möglichkeit einer Maussteuerung um ein Easteregg handelt ist mir nicht bekannt, alles andere sollte mich aber wundern, eine bescheidenere Art einen Rennwagen zu steuern ist mir jedenfalls noch nicht untergekommen.

Formula One Grand Prix machte 1991 einfach alles besser als seine Genre-Kollegen und dürfte den einen oder anderen Rennsport-Muffel zu einem Ausflug auf die Piste bewegt haben, ebenso wie der zweite Teil, der noch mal ein ganzes Stückchen an der Realitätsschraube drehte und einfach fantastisch aussah!

 

Fazit: Die Königsklasse des RennSim-Genres!

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